Glaubt man der griechischen Mythologie, dann sind die weiblichen Brüste beim Bogensport im Weg. Der Legende nach hatten sich die kriegerischen Amazonen aus diesem Grund eine Brust amputiert. Kein weiches Gewebe sollte beim Spannen der tödlichen Waffe im Weg sein.

„Alles Quatsch“, meint Bogenschütze Ronald Günther. „Das ist ein reines Klischee um die kriegerische Einstellung der Amazonen noch zu betonen.“

So ganz glauben mag auch Constanze Kriesel die Geschichte nicht. Die 46-Jährige schießt seit zwei Jahren in ihrer Freizeit mit Pfeil und Bogen. Mit ihren martialischen Geschlechtsgenossinnen hat sie lediglich die wild gelockte Mähne gemein. „Bei mir ist da nix im Weg“, scherzt die Krankenschwester mit den sanften Augen. Auf ein bewegliches Ziel würde sie niemals schießen, sagt sie, auch nicht auf Tierattrappen. „Ich sehe den Bogen nicht als Waffe“, versichert Constanze Kriesel. Für sie sei das Schießtraining reiner Ausgleich zu ihrer stressigen Schichtarbeit. Ihr Mann hatte vor Jahren mit dem Sport angefangen. Rein aus Interesse und Neugierde begleitete sie ihn zum Training und war kurze Zeit später selbst vernarrt in Pfeil und Bogen.

Die wichtigsten Grundsätze beim Schießen seien Haltung, Konzentration und Körperbeherrschung, erklärt die Hobby-Schützin. Gespannt wie ein Flitzebogen ist bei Constanze Kriesel keine leere Floskel. Ihr ganzer Körper bildet eine 90-Grad Linie zur Zielscheibe. Die Füße stehen fest auf dem Boden, etwa schulterbreit. Ihr linker Arm ist leicht angewinkelt und hält den Bogen, während sie mit der rechten Hand die Sehne mit Pfeil bis zu einem fixen Punkt an ihrer Wange spannt. Dann lässt sie los und der gefiederte Pfeil schießt in Richtung Zielscheibe. Oft trifft sie in die Mitte. Aber nicht immer.

„Meine Pfeile sind lila-schwarz gefiedert. Wenn ich auf einem freien Platz schieße und nicht treffe, weiß ich, welche mir gehören. Denn wenn noch andere Schützen trainieren, ist es gar nicht so leicht seine Pfeile wieder einzusammeln.“

Den Ehrgeiz professionell zu schießen hat Constanze Kriesel nicht. Sie wolle einfach nur an ihrer Körperbeherrschung arbeiten und Spaß haben, sagt sie. Dann darf auch die Brust gerne bleiben, wo sie ist. sh

Quelle: Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 05.01.2013

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